Klassenkampf am Strand: Der Zugang zu den Stränden in der Südzone #Rio de Janeiros ist umkämpft

In Ipanema wurden zuletzt mehr Strandräuber gesichtet. Nun ist an der vornehmen Promenade ein Kulturkampf ausgebrochen: Dürfen arme Leute dort künftig nicht mehr baden?

von Thomas Fischermann

tobias_schmitt_ipanemaFoto: Tobias Schmitt

An Protestmärsche in Rio de Janeiro ist man seit dem Sommer ja gewohnt, aber die Demonstration am vergangenen Sonntag war doch etwas Besonderes. „Wir planen eine Invasion unseres Strandes“, stand auf der Einladung, Veranstaltungsort war die vornehme Promenade von Ipanema im Süden der Stadt, und die Kampfschrift führte weiter aus: „Wie alle guten Einwohner von Rio wollen wir uns am Strand ausruhen!“

Das klingt zwar nicht gerade nach einem Revolutionsaufruf, aber die Sache ist sehr wohl politisch. Der Aufruf richtet sich nämlich an die ärmeren Stadtteile im Norden Rios. Seit November werden wieder mehr Strandräuber in Ipanema gesichtet, und der Sicherheitschef der Stadt lässt seither viel mehr Polizei durch den Sand stiefeln und stoppt außerdem die Busse aus dem Norden in den Süden. Alle Fahrgäste werden durchsucht, und die Ansage lautet: Wer keinen Ausweis hat, wird zurückgeschickt. Wer Waffen trägt, wird abgeführt. Kinder ohne Begleitung kommen ins Heim.

Das ist natürlich ungerecht. Einerseits stimmt es, dass die Strandräuber-Überfallkommandos in aller Regel aus den Favelas und den armen nördlichen Vororten stammen; andererseits kann man ja nicht  deswegen Millionen Menschen den Strandbesuch mit ihrer Familie vermiesen. Vorwürfe des Klassenkampfes am Strand, des Rassismus und der „Apartheid Carioca“ machten schnell die Runde, und so war auch der Aufruf zur Demo zu verstehen: „Vergesst nicht eure Mobiltelefone und Fotoapparate!“ hieß es darin weiter, „denn wir besitzen solche Geräte und garantieren euch: Wir müssen niemanden ausrauben!“ […]

Und es stimmt: Gerade unter den wohlhabenden Mittelschichten und den Reichen, die in der Südstadt von Rio de Janeiro leben, gehen immer mal wieder die Begrifflichkeiten „Bandit“, „farbiger Armer“ und „Bewohner der Nordstadt“ durcheinander. Als in den achtziger Jahren überhaupt erstmals regelmäßige Busfahrten aus dem Norden der Stadt durch den Tunnel in die Strandgebiete eingerichtet wurden, gab es einen Aufschrei unter den Eliten: Im Jornal do Brasil wurden damals Leserkommentare veröffentlicht, zu denen Aussprüche gehörten wie: „Was für hässliche Menschen!“, „Ein Szenario des Vandalismus und des Terrors!“, „Wir bezahlen so viele Steuern, und dann laden sie die Armut vor unseren Türen ab!“ […]

der ganze Artikel bei: Die Zeit

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