Inszenierte #WM-Party in #Brasilien: Trauer, Wut & Repressionen

Politik und Fußball in Brasilien – „Was geht mich das an?“

Die Brasilianer sind wütend – und waren es auch schon vor der WM. Währenddessen inszenieren die Medien Pannen, Jubel und Trauer.

Von Andreas Behn, taz

jornalismob_fanfest 5Bei jedem holländischen Tor kam Jubel auf. Kein richtiger, sondern hämischer Jubel. Vielleicht 40 Leute schauten das Spiel in der etwas heruntergekommenen Kneipe, alle waren natürlich für Brasilien, aber nur einer hatte ein gelbes T-Shirt an. Nach dem 2:0 begannen vier Männer, Karten zu spielen, und es wirkte nicht einmal demonstrativ. Trauer lag nicht in der Luft, auch war nicht das Bedürfnis zu spüren, einen Schock zu verarbeiten. Wenn überhaupt, dann Wut, und eine gewisse Scham ob des weltweiten Publikums, das dem peinlichen Ende des Gastgebers Brasiliens bei dieser WM beiwohnt.
Nicht einmal die Angst, Argentinien könnte just im Maracanã seinen drittel Titel holen, bewegt die Brasilianer. Die WM interessiert nicht mehr, aber nicht, weil das 1:7 gegen die Deutschen so traumatisch gewesen wäre. Jetzt wird noch deutlicher als zuvor, dass es von Beginn an gar nicht ihre WM gewesen ist, besser gesagt seit Juni 2013, als die Protestwelle vieles im Land und vor allem auch das Selbstbild der Brasilianer erschütterte […]

Allein in Salvador sind über 45 Menschen bei kleinen Protestaktionen festgenommen worden, obwohl es alles andere als ein Protestzentrum war. Und in Rio de Janeiro wurden 48 Stunden vor dem Finale 19 Menschen in Vorbeugehaft genommen, sieben weitere werden gesucht. Amnesty International bezeichnete diese Maßnahmen als „besorgniserregend, da es ein weiterer Akt der Einschüchterung“ sei und das Recht auf Meinungsfreiheit einschränke.

Eine Bilanz jenseits des grünen Rasens zu ziehen ist kompliziert, weil es sich bei einer WM vor allem um ein Medienereignis handelt. Selten zuvor haben Journalisten – sprich das brasilianische Oligopol der geradezu gleichgeschalteten Massenmedien, die von wenigen einflussreichen Familien kontrolliert werden – soviel Einfluss auf die Wahrnehmung des Geschehens genommen und die eigene Bevölkerung wie auch die ausländische Presse so sehr an der Nase herumgeführt: Im Vorfeld schrieben sie einen Organisations-Gau herbei, wobei es ihnen nur darum ging, die verhasste Präsidentin zu schwächen.

den ganzen Artikel gibt’s bei der taz

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