Eigentor in Berlin: #Weltmeister blamieren sich in Berlin

TV-Kritik: Empfang der Weltmeister So gehen Gauchos

Die Siegesfeier am Brandenburger Tor wird zum gigantischen Eigentor. Mit einer üblen Persiflage auf ihren Finalgegner verspielen die deutschen Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation.

von Frank Lübberding

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[…] Es ist nicht ohne historische Ironie, die Siegesfeier für den „4. Stern“ auf den Trikots der Nationalmannschaft an diesem Ort abzuhalten. In unmittelbarer Nähe zu jenen Denkmälern, wo an Triumphe und Katastrophen der deutschen Geschichte erinnert wird. Über die Nationalmannschaft werden zwar zumeist nur noch Werbebotschaften wie „Fanhansa“ mitgeteilt, aber sie konnte sich heute trotzdem ein Denkmal setzen. Das wird allerdings nicht mehr in Stein gehauen, sondern als Video im Internet verewigt.
Dort wird jene Darbietung einiger Nationalspieler ihre Spuren hinterlassen, die den Unterschied zwischen Argentiniern, Gauchos genannt, und Deutschen deutlich machen. Die Gauchos gehen gebückt, zwischen Niedergeschlagenheit und Demütigung, während Deutsche aufrecht wie Hermann, der Cherusker, den Pokal gen Himmel strecken. „So sehen Sieger aus“, wird dazu gesungen. „Atemlos“ wäre das richtige Stichwort, um einmal Helene Fischer zu zitieren. Sie durfte sich auf dieser Veranstaltung bei ARD und ZDF als Fan aus der Abteilung Gesangskunst verewigen […]
Diese Bilder, man ahnt es schon, werden nicht nur in Argentinien zum Symbol für den Umgang der Deutschen mit diesem Sieg werden. Die seit Wochen zu hörenden Floskeln vom „neuen Deutschland“, das sich im Spiel dieser Mannschaft verkörpere, werden zum Gespött geraten. Man muss die angebliche „Weltoffenheit“ und „Toleranz“ nur mit den „gehenden Gauchos“ der Nationalspieler kontrastieren […]
Den Spielern ist das nicht zum Vorwurf zu machen. Sie saßen seit acht Wochen in einer Art Käseglocke und bekamen erst nach der Rückkehr wieder Kontakt zur Wirklichkeit. Da misslingt schon einmal der ewige Mertesacker-Spagat zwischen dem öffentlichen Menschen, der immer etwas repräsentiert, ob als Botschafter des Landes oder Werbeikone, und der Privatperson. Kaum waren die Spieler aus dem Flugzeug gestiegen, wurden sie schon in der ARD von einem als Nationalspieler verkleideten Reporter interviewt. Die Wand mit den Logos der Sponsoren stand schon dort, neben der Fluglinie und der Automobilmarke, die Weltmeister fährt.
Jeder wollte ein Stück von dem Kuchen bekommen, der Begeisterung heißt und während der Fahrt durch Berlin zu spüren war. Die Vermarktung des Identifikationspotentials der Fußballhelden ist das Geschäftsmodell des DFB. Dafür wird diese Jubelfeier arrangiert, unter tätiger Mithilfe von ARD und ZDF. Das alles geschieht  heute in der Form einer privaten Party,  nicht mehr in der steifen Atmosphäre des öffentlichen Empfangs. Selbst der Berliner  Oberbürgermeister Klaus Wowereit war im Trikot erschienen, um die Einträge in das Goldene Buch der Stadt vornehmen zu lassen. Immerhin wurde das noch nicht getweetet. Ansonsten stand die Ausgelassenheit im Vordergrund, die auf der Fanmeile einen Bühnenmoderator brauchte, damit die ewig gleichen Bilder vom fahrenden Bus nicht zu eintönig wurden. Er hätte noch Heizdecken an die 400.000 Fans verkaufen sollen […]

faz.net

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