Präsident_innenschaftswahl in #Brasilien: Ernste Gegenkandidatin für Rousseff ?

Marina Silvas Nominierung bringt die Präsidentin in Bedrängnis. Ökologie, konservative Werte und der Applaus der Rechten zeichnen sie aus.
Andreas Behn, taz

Marina Silva speaks during an event in BrasiliaEine völlig neue Konstellation bringt Spannung in den Wahlkampf um die Präsidentschaft Brasiliens, die im Oktober 2014 ansteht. Die äußerst populäre, ehemalige Umweltministerin Marina Silva wurde am Mittwoch von der PSB offiziell zur Kandidatin für das höchste Staatsamt gekürt. Meinungsumfragen zufolge kann sie den sicher geglaubten Wahlsieg von Amtsinhaberin Dilma Rousseff gefährden […]
Die überzeugte Umweltschützerin ist aber keine Repräsentantin der Linken. Seit 1997 gehört sie der evangelikalen Assembleia de Deus an und vertritt konservative Familienwerte. Sie kämpft gegen das Recht auf Abtreibung und steht in der Diskussion um Homosexualität auf Seiten derjenigen, die eine „Heilung“ dieser sexuellen Orientierung propagieren. Aber sie gilt als nicht korrupt und repräsentiert die Unzufriedenheit vieler, die bei den Massendemonstrationen im Juni 2013 auf den Straßen zum Ausdruck gebracht wurde.
Für die PT ist der Aufschwung der Opposition schon jetzt ein Denkzettel. Sie war einst angetreten, das politische System zu erneuern und die extreme soziale Ungleichheit zu beseitigen. Doch zahlreiche Korruptionsskandale und mangelnde Transparenz haben das Image einer anderen, ethischen Partei demontiert. Inzwischen gilt sie als ganz normale Partei, die wie alle anderen mit Geld und Gefälligkeiten politisch fragwürdige Koalitionen bildet und sich an die Macht klammert.
Wirtschaftlich setzt die Technokratin Dilma Rousseff auf schnelle nachholende Entwicklung, wobei Umweltinteressen und auch die Rechte von Indigenen auf der Strecke blieben. Das kostete sie die Unterstützung vieler sozialer Bewegungen, doch die Unternehmer danken es ihr nicht. Obwohl das Agrarbusiness seit Jahren boomt und Banken immer größere Gewinne einstreichen, setzen Wirtschaftsverbände, rechte Parteien und das Monopol der Massenmedien alles daran, Rousseff zweite Amtsperiode zu verhindern. Folgerichtig kündigte die PSDB bereits am Mittwoch an, beim Nichteinzug in einen eventuellen zweiten Wahlgang die PSB-Kandidatin Silva zu unterstützen.
Rousseffs Trumpf ist nach wie vor die Sozialpolitik. Es ist der Arbeiterpartei tatsächlich gelungen, Millionen aus der Armut herauszuholen und eine gerechtere Einkommensverteilung durchzusetzen. Der Wirtschaft geht es vergleichsweise gut, auch wenn die Medien täglich die Krise herbeischreiben. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Tiefststand und die Währungsreserven sind trotz weltweiter Konjunkturschwäche immer noch zehn mal höher als zur Zeit der Regierungsübernahmen 2003. Deswegen geht Rousseff zu recht davon aus, dass die Mehrheit der armen Brasilianer zu ihr halten werden und nicht zu der Wende-Kandidatin Marina Silva.

alles bei: der taz

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