OLYMPIA: Wie Sportereignisse als Vehikel für Stadtumbau genutzt werden können

„Keine weißen Elefanten“

Interview der taz mit Katherina Schmidt

kathataz: Frau Schmidt, warum sind die Olympischen Spiele eigentlich so unbeliebt?
Katharina Schmidt:
Ich denke, dass gerade Sportgroßereignisse durch Erfahrungen der letzten Jahre unbeliebt geworden sind, vor allem, was die Kostenexplosion angeht.

Zu Recht?
Ich glaube nicht, dass die olympischen Spiele an und für sich unbeliebt sind. Aber die brasilianischen Demonstranten etwa haben Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Olympia aufgezeigt – und das war vorher nicht so klar.

Bringen die Olympischen Spiele einer Stadt auch Vorteile?
Ich denke, dass es stadtpolitisch eine hohe Wichtigkeit haben kann. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, dass sich eine solche Sportveranstaltung nachhaltig positiv auswirkt. Es kommt darauf an, wie ein solches Event ausgerichtet ist.

Nämlich?
Einerseits findet Stadtentwicklung im Zeitraffer statt, andererseits ist solch ein Großereignis ja eine Legitimationsgrundlage für Umbauprozesse. Da herrschen oft Ausnahmezustände und Olympia wird dabei zur Rechtfertigung.

Wie sind Ihre Erfahrungen, was die viel versprochene Weiternutzung der neuen Infrastruktur angeht?
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft wurde immer wieder betont, dass man keine „weißen Elefanten“ schaffen möchte. Also keine Bauten, die hinterher nicht mehr nützlich sind. Aber jetzt hat man etwa ein Stadion in Manaus, wo es nicht mal einen Fußballclub gibt, der in einem solchen Stadion spielen könnte.

Wie schätzen Sie die Möglichkeit ein, dass Hamburg bei der Bürgerbefragung „Nein“ zu Olympia sagt?
Ich kann die Stimmung in Hamburg dazu noch nicht so richtig einschätzen. Ich kenne nur den (N)olympia-Kontext und welche Argumente dort vertreten werden. Ich vermute jedoch, dass die Spiele eher abgelehnt werden.

Was wird das IOC tun, um unentschlossene Hamburger für sich zu gewinnen?
Zumindest in Rio wurde versucht, eine Art gesellschaftlichen Konsens herzustellen. Da gab es die Wahlkampagne des Bürgermeisters „Wir sind ein Rio“. Ich kann mir vorstellen, dass es hier ähnlich läuft. Eine Art Einer-für-alle-Gedanke: Wenn es für die Stadt gut ist, dann ist es für alle gut.
INTERVIEW: SEBASTIAN SCHULTEN

Quelle: taz

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