Berlin: Olympia-Bewerbung auf der Zielgeraden?

Janine Behrens in Das Blättchen (14.10.2014)

Quelle: cicero.de

Quelle: cicero.de

Nach einer Absage der Münchener Bevölkerung für die Olympischen Winterspiele 2022 im Dezember 2013 zauberten der Berliner und der Hamburger Senat die nächste Schnapsidee aus dem Hut: Beide Städte bewarben sich intern beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024. Für den Fall einer Absage steht auch das Jahr 2028 zur Debatte. Feuer und Flamme für das neue Großevent ist natürlich der für Gigantismus wohl bekannte Berliner Senat, allen voran der (noch) Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).
Ein Blick zurück verrät jedoch: Nur selten hinterlassen Olympische Spiele einen Mehrwert für die Austragungsstädte. Schuldenberge und Sportanlagen, die aufgrund mangelnder Popularität einzelner Sportdisziplinen nicht nachgenutzt werden können, sind die Folge. Auch Berlin musste schon einmal eine Schlappe einstecken: 1993 bewarb es sich für die Sommerspiele 2000 – und bekam eine bittere Absage vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Ein Mitglied bezeichnete damals Berlin als „erbärmliches Schlusslicht“ im sportlichen Bereich. Natürlich leben wir nicht mehr im Berlin von 1993, Vieles hat sich weiterentwickelt, wurde ausgebaut – doch reicht das aus? […]

Weitere Beispiele für eine mit den Füßen getretene Bürgerbeteiligung sind das gegenwärtig auf dem östlichen Gelände des jetzigen Flughafens Tegel verortete „olympische/paralympische Dorf“ sowie die temporären Sportflächen. Der Flächennutzungsplan und Masterplan Tegel – Ergebnis eines langwierigen Workshop-Prozesses mit Bürger- und Verbändebeteiligung – weisen für ebendieses Areal größere Grünflächen und kleinere Gewerbeflächen aus, als in der Interessenbekundung dargestellt. Dass dort Flächen, die eigentlich dem Bund und nicht dem Land gehören, mal eben verplant werden, ist an Arroganz kaum zu überbieten. Konstruktive Dialoge mit den zuständigen Stellen und Bürgern auf Augenhöhe sehen anders aus.
Sportlich geht es weiter. In seiner Broschüre spricht der Senat von einer bereits heute vorhandenen hervorragenden Sportinfrastruktur.  Dabei gibt es bei der Sanierung bestehender Sportanlagen laut Landessportbund ein Defizit von 300 Millionen Euro. Jährlich ist lediglich ein Investitionsvolumen von neun Millionen Euro im Schul- und Sportstättensanierungsprogramm Berlins eingestellt. Ein derartiger Sanierungsstau ist eher mit dem Adjektiv desaströs in Verbindung bringen […]

Am 6. Dezember entscheidet der DOSB, ob er sich mit Berlin, Hamburg oder keiner der beiden Städte beim Internationalen Olympischen Komitee bewirbt. Der SPD/CDU-Senat beweist immer wieder: Großprojekte sind eine Nummer zu groß für ihn. Und in einer Stadt, wo Sportunterricht aufgrund maroder Sportstätten ausfällt, wo Bürger über den Tisch gezogen werden, wo eine Baustelle die nächste jagt und wo bereits jetzt ein Schuldenberg von über 66 Milliarden Euro wichtige Investitionen in die soziale Infrastruktur der Stadt blockiert, kann es keinen Sieger für eine Olympia-Bewerbung 2024/28 geben. Wäre Lügen hingegen eine Sportdisziplin, hätte der Senat jetzt schon verloren. Lügen haben kurze Beine und mit denen kommt man bekanntlich nicht schneller ins Ziel.

alles bei: linksnet.de

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